Unsere Kinder

Viele von Ihnen, die uns unterstützen, möchten mehr über die Kinder erfahren, denen wir helfen.

Die schwierigen Verhältnisse, aus denen viele unserer Schülerinnen und Schüler stammen, macht es so wichtig, dass ihnen die Schule einen Ort der Ruhe, Sicherheit und stabilen Lernumgebung bietet. Hier die Geschichten von vier unserer Schüler, natürlich ohne Namen und Details zum Schutz ihrer Privatsphäre.

A.’s Vater ist wegen einer Rückgratverletzung auf den Rollstuhl angewiesen, seine Mutter hat keine Schulbildung. A’s Grossmutter half bis zu ihrem Tod vor etwas über einem Jahr im Haushalt der Familie. Kurz nach ihrem Tod wurde ein weiteres Baby geboren. A.’s Eltern waren überfordert und vernachlässigten A. Während des letzten Jahres erhielt er kein Lunchpaket für das Mittagessen, so dass seine Mitschüler und Lehrer ihn unterstützten. Auf die Dauer ging das nicht so weiter. Seine Sponsoren sind auf unsere Anfrage hin bereit, ihm eine nahrhafte Mahlzeit pro Tag (gekocht von einer Schulköchin) zu finanzieren. Kosten pro Jahr: $175.

B.’s Vater starb vor 3 Jahren, bevor er ins Teenager-Alter kam. Seine Mutter hat psychische Probleme und ist in ihr Heimatdorf weggezogen. B. ist bei Verwandten untergekommen, Mutter und Vater eines Mädchens, das ebenfalls die Nicolas-Schule besucht. Die neunköpfige Familie lebt in einem einzigen Zimmer etwa 3 km von der Schule entfernt. B.’s Schulgeld wird von seinem Sponsor bezahlt, seine Verwandten erhalten die Haushaltunterstützung von $10/Monat für sein Essen und Schulmaterial.

C. ist ungefähr 7 Jahre alt. Seine Mutter hat die Familie verlassen, als er ein Baby war. Sein älterer Bruder ertrank, weil niemand auf ihn aufpasste, als sein Vater arbeitete. Der Aufenthalt seiner Mutter ist unbekannt. C. lebt allein daheim, während sein Vater arbeitet. Durch diese Vernachlässigung ist er recht ungezogen, so dass ihn unsere Student Welfare Beauftragte Sara betreut und zu erziehen versucht.

D.’s Vater hat wegen einer Kriegsverletzung ein Blasenproblem und muss einen Urinbeutel tragen. D.’s Name bedeutet “erfüllt”. Ihr Vater dachte, er könne keine Kinder zeugen, so war sein Leben erfüllt, als sie geboren wurde. Sie ist intelligent, eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse und damit sicher eine grosse Hoffnung für ihren Vater.

E lebte mit ihren Eltern und älteren Brüdern zusammen. Beide Eltern kämpften während des Bürgerkriegs, und ihre Mutter arbeitete immer noch für die Armee. Sie war mit der äthiopischen Friedenstruppe im Süd-Sudan stationiert. Während ihrer Abwesenheit sandte sie ihren Sold ihrem Ehemann heim. Er sollte damit eine Köchin und Haushälterin bezahlen. Als sie aus Süd-Sudan zurückkehrte, stellte sie fest, dass ihr Mann mit einer anderen Frau zusammenlebte und die Kinder vernachlässigt waren. Ihre Betten waren voller Ungeziefer und sie hatten Parasiten in ihrer Haut. E’s Mutter liess sich scheiden und ist mit ihren Kindern in eine Mietwohnung gezogen. Da sie all ihr Geld verloren hat und neu beginnen muss, haben wir ihr eine Stelle als Putzfrau in der Schule gegeben und die erste Monatsmiete aus unserem Notfall-Fonds bezahlt. Ihr ältester Sohn studiert an der Universität, sein Unterhalt wird von der Regierung bezahlt, sofern er Dienst leistet, wenn er abgeschlossen hat (dies ist so üblich). E war eine sehr gute Schülerin, aber ihre Noten haben sich im letzten Jahr verschlechtert. Wir sind aber optimistisch, dass sich die ganze Familie wieder erholen wird, nachdem wir der Mutter bei ihrer Wieder-Etablierung geholfen haben.

T. Vor kurzem besuchte eine Sponsorin ihr Patenkind, begleitet von unserer Sozialarbeiterin. Als Reaktion auf diesen Besuch schrieb sie diesen offenen Brief, um andere Sponsoren zu ermuntern und zu zeigen, wie sie helfen können.

Liebe T
…….auch jetzt versuche ich Deinen Namen wie in Deinem Land üblich auszusprechen. Du liebes, liebes Patenkind! Du bist seit vier Jahren unser “sponsorchild.” Das bedeutete, einmal im Jahr den Betrag für Deine Schule, transporting, Schulessen und Schulmaterialien zu überweisen, ab und zu ein Päckchen mit einem Geschenk und einem Briefchen mitzugeben. Wir bekamen Deine Dankespost, Deine Zeugnisse und kleine Videos geschickt, auf denen Du z.B. eine Kette, die wir schickten, anlegtest. Wir sahen auch, dass Deine Zensuren schlechter geworden waren, nachdem vor drei Jahren Deine Mutter gestorben war. All das und Du warst sehr weit weg, in Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Welt. Du bist umgeben von Menschen, ganz feinen lieben Menschen, die von viel weniger als den 2,75 $ am Tag leben; das ist der Betrag, auf den sich die reiche Welt geeinigt hat, dass ein Mensch ihn benötigt, zu was? zum Leben, zum Überleben, zum Hungern?

Im März haben wir Dich in Mekele besucht. Plötzlich warst Du ganz nah. Du Schöne, Stolze, Überforderte. Wir besuchten Dich in Deiner rainbows4children-Schule. Wir tauschten wieder Geschenke aus, Du warst scheu: wir waren merkwürdige Fremde, die Dir die Existenz als Schülerin sicherten.

An einem Nachmittag aber fuhren wir mit einem blauen klapprigen Bajai in Dein Wohnviertel: Esel, Ziegen, Wellblechhütten und Kinder! Staubige Verkaufsstände, Plastikmüll und Kinder! Wir treten durch ein rostiges Tor in einen schmutzigen Hinterhof, zu dem 6 Hütten für 35 Menschen stehen. Deine Hütte, in der Du seit drei Jahren Deine uralte fast blinde Großmutter, Deine Schwester und Deine beiden älteren Brüder versorgst, ist aufgeräumt, der gestampfte Boden ist mit grünen Blättern geschmückt und Du beginnst für uns mit der Kaffeezeremonie, Popcorn popt im Blechtopf auf offenem Feuer. Du reichst uns Injera, das aus Teff, einer Zwerghirse zubereitet wird, dazu  scharfe rote Soße. Kinder quetschen sich neben uns und Deine Omi in die Hütte. Wir sprechen und lachen. Dein schönes Gesicht mit dem blauen Tuch spiegelt den Schein der Glut wider. Dann rinnen Tränen über Deine rußigen Wangen.

Wir hatten gefragt, was wünscht Du Dir noch von uns, ein Kleid, Sneakers, was soll es sein? Du sagtest 50kg Teff und zwei Sack Holzkohle. Du bist 14 und Deine Schultern so schmal.